02. September 2010

Flotte Spaziergänge könnten tausende Krebsfälle verhindern

Rund 10.000 Fälle von Brust- und Darmkrebs könnten in Großbritannien jährlich verhindert werden, wenn die Menschen mehr flotte Spaziergänge machen. Wissenschaftler des World Cancer Research Fund www.wcrf.org gehen davon aus, dass jede moderate Aktivität, die das Herz schneller schlagen lässt, die gleiche Wirkung hat.

Die Daten legen nahe, dass 45 Minuten gemäßigter Bewegung am Tag rund 5.500 Fälle von Brustkrebs verhindern könnten. Körperliche Aktivität hilft, eine Fettsucht zu verhindern, die ihrerseits ein Risikofaktor für Krebs ist. Das Forscherteam um Rachel Thompson betont in der Studie, dass die Gesamtzeit, die mit körperlichen Aktivitäten verbracht wird, entscheidend ist.

Fitnessstudio nicht nötig

Kurze aktive Intervalle, die insgesamt gleich viel aktiv verbrachte Zeit bedeuten, sind genauso gut. Neben flotten Spaziergängen, sind auch Radfahren, Schwimmen, Tanzen, Gartenarbeit oder Staubsaugen in Kombination mit anderer Hausarbeit gesund.

Bereits kleine Veränderungen der täglichen Routine könnten viel für die Gesundheit bringen, so Thompson gegenüber der BBC. Es gebe klare Beweise dafür, dass körperliche Aktivität eine wichtige Rolle bei der Prävention von Krebs spielen kann. Sogar kleinste Verbesserungen können helfen, tausende Krebsopfer in Großbritannien zu verhindern. Dabei reicht es schon, dass man zu Fuß einkaufen geht und das Auto stehen lässt.

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30. August 2010

Auch alte Menschen mit chronischer Herzschwäche profitieren von körperlichem Ausdauertraining

Ein vierwöchiges Ausdauertraining verbessert auch bei älteren Menschen die Leistungsfähigkeit des Herzens, selbst wenn sie an chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz, HI) leiden. Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung (120 Studienteilnehmer) von Dr. Marcus Sandri (Klinik für Kardiologie des Herzzentrums Leipzig), die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC; 28. August bis 1. September in Stockholm) vorgestellt wurde. Untersucht wurde der Einfluss des Trainings auf die Erweiterung der Blutgefäße („flussmediierte Vasidilatation“) und die Anzahl so genannter zirkulierender endothelialer Vorläuferzellen (EPC), die zum Beispiel für die Regeneration und Leistungsfähigkeit der Gefäßinnenwände verantwortlich sind und zur Bildung funktionell kompetenter Gefäße beitragen. Gemessen wurde mittels hochauflösendem Ultraschall und Durchflusszytometrie (FACS)

„Ein vierwöchiges Training führt bei älteren gesunden Probanden zu einer Verbesserung der Funktion des Endothel (innerste Wandschicht von Blutgefäßen) sowie zu einer signifikanten Verbesserung der EPC-Funktion. Bei Patienten mit Herzschwäche aller Altersgruppen führte die Trainingsintervention zu einer effektiven Verbesserung der Endothel-Funktion und einer signifikanten Zunahme der EPC-Anzahl mit einer Steigerung der funktionellen Kapazität der Zellen“, so Dr. Sandri in Stockholm. All diese Effekte waren bei älteren Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz nicht vermindert, „so dass das Potential von Trainingsinterventionen in einer Altersgruppe, in der die Häufigkeit der chronischen Herzschwäche besonders groß ist, zu unterstreichen ist.“

Das Endothel spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle beim Sauerstoffaustausch zwischen Gewebe und Blut, beeinflusst die Fließfähigkeit des Blutes und spielt eine Rolle bei Entzündungsvorgängen. Funktionsstörungen des Endothels haben pathologische Folgen. Endotheliale Dysfunktion wurde bereits als ein wichtiger Prädiktor zukünftiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkannt und geht makroskopischen Gefäßveränderungen zeitlich voraus.

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die mit Sport beginnen möchte, sollte allerdings einige Punkte beachten, empfiehlt Dr. Sandri: Als erstes sollte man sich einen Termin in der kardiologischen Sprechstunde geben lassen. Dort sollte überprüft werden, ob die aktuelle medikamentöse Behandlung tatsächlich optimal auf die jeweilige HI abgestimmt ist. Außerdem ist ein Belastungstest erforderlich (Ergometrie oder Spiroergometrie), um die momentane Belastbarkeit zu überprüfen sowie den maximalen Puls unter körperlicher Anstrengung zu bestimmen (maximale Herzfrequenz), was später für die Wahl der Trainingsintensität im Sport wichtig ist.

Kontakt:

Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher der DGK)

Roland Bettschart, B&K – Medien- und Kommunikationsberatung GmbH

Mobil +43-676-6356775; Tel.: +43-1-3194378-22; bettschart@bkko…
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24. August 2010

Neue Zellen für kranke Herzen

Künftig dürfte ein schlichter Cocktail aus drei Genen für eine Regenerierung eines geschädigten Herzmuskels sorgen: Ein internationales Forscherteam hat drei Transformationsfaktoren identifiziert, die einfache Bindegewebszellen in Herzmuskelzellen umprogrammieren. Aus den Herzen von Mäusen entnommene so genannte Fibroblasten wurden mit den drei Genen behandelt und nach einem Tag wieder zurücktransferiert. Innerhalb von zwei Wochen verwandelten sich die Bindegewebszellen in schlagende Herzmuskelzellen. Das Ursprungsmaterial muss aber nicht unbedingt aus dem Herzen stammen: Die Transformation gelingt auch mit Hautzellen. Die Methodik sei deutlich effizienter als die Zellherstellung durch eine Umwandlung von Stammzellen.

Bei einem Herzinfarkt sterben wegen einer Durchblutungsstörung Teile des Herzmuskels ab. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erleiden in Deutschland jedes Jahr etwa 280.000 Menschen einen Herzinfarkt, fast 60.000 Patienten sterben. Transplantiert werden in Deutschland jedes Jahr nur ungefähr 400 Herzen. “Die Forschung versucht deshalb seit 20 Jahren, aus nichtmuskulären Zellen Herzmuskulatur herzustellen. Nun ist uns dies mit Fibroblasten gelungen, die fast die Hälfte aller Herzzellen ausmachen”, berichtet Studienleiter Deepak Srivastava von der University of California in San Francisco.

Gesucht wurde bisher nach einem Hauptregulator des Herzmuskels. Nun haben die Wissenschaftler die 14 Gene analysiert, die als Transformationsfaktoren eine Rolle in der Herzentwicklung spielen. Die Reaktion der Gewebezellen von Mäusen im Labor auf die 14 Gene war gering, aber immerhin zeigten sich positive Reaktionen. Nachdem nun ein Faktor nach dem anderen in den Versuchen weggelassen wurde, blieben am Ende nur drei übrig: Die Gene Gata4, Mef2c und Tbx5 führen den Trick der Umwandlung souverän durch.

Die aus den Mäusen entnommenen Herz-Fibroblasten wurden mit den drei Reprogrammierungsfaktoren behandelt, indem sie über ein Virus in die Zellen eingeschleust wurden. Dort öffnet Gata4 bestimmte Strukturen des Erbguts, so dass die anderen beiden Gene dort ihr Programm abspulen können. Nach einem Tag injizierten die Wissenschaftler die Zellen zurück in die Mäuseherzen, wo sich 20 Prozent von ihnen in aktive Herzmuskelzellen transformierten. Dagegen schneidet die alternative Behandlung schlecht ab, bei der so genannte pluripotente Stammzellen in das Herz eingespritzt werden: “Ein solcher Stammzellen-Cocktail transferiert nur 0,1 Prozent der Fibroblasten erfolgreich”, erläutert Srivastava. Außerdem besitzen solche Herzmuskelzellen aus bisher unbekannten Gründen nicht die typischen elektrischen Aktivitäten der Herzmuskulatur: Die Bewegungen der Herzkammern werden durch ein komplexes System von elektrischen Impulsen kontrolliert.

Die Robustheit des Verfahrens weckt bei den Wissenschaftlern die Zuversicht, dass auch Zellen direkt im Herz ohne vorherige Entnahme reprogrammiert werden können. Dazu sollen nun aber keine Viren mehr als Transportmedium verwendet werden: Gesucht werden kleine Molekülen, die als Medikamente die Effekte der drei Transformationsfaktoren nachahmen.

Deepak Srivastava (University of California, San Francisco) et al.: Cell, Bd. 142, S. 375, doi: 10.1016/j.cell.2010.07.002

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