11. August 2010

Tocotrienole: Was können sie wirklich?

Tocotrienol ist der Name für besonders aktive Formen von natürlich vorkommendem Vitamin E. Sie sind rund 50 x stärker als Vitamin E. Chemisch gesehen unterscheiden sich Tocotrienole nur durch die dreifach ungesättigte Seitenkette von den Tocopherolen. Das führt zu einer wesentlich gesteigerten Vitamin-Aktivität der Tocotrienole.

Weil Tocotrienole seltener vorkommen als Tocopherole haben sie vermutlich in der Vergangenheit wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass Tocotrienole eine spezielle Rolle spielen, die über die bekannte Vitamin-E-Aktivität hinausgeht: In mehreren Studien fand man sie stark cholesterinsenkend, antiproliferativ (gegen Gewebevermehrung), antithrombotisch (gerinnungshemmend), stark antioxidativ, entzündungshemmend und neuroprotektiv (die Nervenfasern schützend).

Vor allem für Gamma- und Delta-Tocotrienole wurde gezeigt, dass sie bestimmte Arten von Krebs hemmen können. Dies gilt insbesondere für Brustkrebszellen. Die Forschungszentren University of Reading, UK, University of Louisiana, University of Western Ontario und Palm Oil Research Institute of Malaysia (PORIM) bewiesen, dass Gamma-und Delta-Tocotrienole sowohl die östrogen-positiven als auch die östrogen-negativen menschlichen Brustkrebszellen hemmen. Im Rahmen dieser Studien zeigte im Gegensatz dazu alpha-Tocopherol überhaupt keine Wirkung auf die Brustkrebszellen.

Die Kenneth Jordanien Heart Foundation (USA) zeigte in einer Doppelblindstudie, dass Tocotrienole die Fähigkeit besitzen, Arteriosklerose umzukehren und damit das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt zu reduzieren.

Tocotrienole hemmen das Enzym HMG-Co A-Reduktase in der Leber, welches die für die Herstellung von Cholesterin verantwortlich ist. Tocopherole hingegen haben keinen Einfluss auf die Cholesterinproduktion.

Studien, die an der Ohio State Universität, USA, durchgeführt wurden, zeigten, dass Tocotrienole die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und die Neuronen vor einer Vielzahl von Giften schützen. Diese Studie wurde bei der angesehenen Internationalen Konferenz Oxygen 2001, 8. Jahrestreffen der Sauerstoffgesellschaft, North Carolina, USA, im November 2001 unter die besten 10% aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen gewählt.

Forscher an der University of California in Berkeley entdeckten im Jahr 2000, dass Tocotrienole Nervenzellen im Gehirn vor den Angriffen des unter Stress vermehrt ausgeschütteten Botenstoffs Glutamat schützen. Bei Alzheimer-Patienten lässt die Überreizung durch Glutamat Nervenzellen absterben.

Nahrungsergänzung zu: , , , , , ,

Verwandte Artikel



10. August 2010

Neuer Therapieansatz bei Retinitis pigmentosa (RP)? – Valproinsäure könnte Sehverlust stoppen

Auf einen möglichen neuen Therapieansatz zur Behandlung der Retinitis pigmentosa (RP) hat jetzt eine Forschergruppe um Dr. Salesh Kaushal von der University of Massachusetts Medical School (Worcester) hingewiesen. Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler gibt es offenbar einen therapeutischen Effekt von Valproinsäure beziehungsweise Valproat (Valproic acid/VPA) auf diese Form der degenerativen Netzhauterkrankung.

In der Online-Ausgabe des British Journal of Ophthalmology (20. Juli 2010) beschreibt das Team um Kaushal die potenzielle Wirkung dieses Arzneistoffs auf den Visus von RP-Patienten. Daten einer retrospektiven Studie legen den Schluss nahe, dass Valproinsäure den Sehverlust stoppen könnte – in mehreren Fällen, so berichten die Forscher, habe sich sogar eine Verbesserung des Gesichtsfeldes gezeigt.

In den USA ist Valproinsäure zur Behandlung von Epilepsie, Migräne und biploaren Störungen zugelassen, heißt es. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse deuteten darauf hin, dass dieser Wirkstoff auch eine effektive Therapie gegen den RP-assoziierten Photorezeptorenverlust sein könnte.

In der retrospektiven Studie wurden RP-Patienten zwei bis sechs Monate lang mit Tagesdosen zwischen 500 und 750 mg Valproinsäure off-label behandelt. In einer Phase, in der RP-Patienten üblicherweise einen schnellen Sehverlust erlitten, hätten fünf von sieben Patienten eine Verbesserung ihres Gesichtsfeldes erfahren, berichten die Forscher. Sollten die bisherigen Beobachtungen weiter untermauert werden können, könnte niedrig dosierte Valproinsäure ein enormes Potenzial haben, hofft Kaushal.

Die UMass Medical School ist nach eigenen Angaben die Koordinierungsstelle für eine auf drei Jahre angelegte klinische Studie, die die therapeutischen Möglichkeiten dieses Wirkstoffs bei RP erforschen soll. Diese Studie sei von der Foundation Fighting Blindness/National Institute Neurovision Research Institute mit 2,1 Millionen Dollar ausgestattet worden, teilt die Universität mit.

Siehe auch: Augen

Quelle:
www.umassmed.ed…
—————–

Nahrungsergänzung zu: , , , , , , ,

Verwandte Artikel


23. Juli 2010

Neue Lasertechnik erkennt Hautkrebs und überprüft Wirkung von Anti-Aging-Produkten

Neue Lasertechnologie erkennt Hautkrebs und überprüft Wirkung von Anti-Aging-Produkten

Mit einem neuen Laser-Tomographen können Ärzte den bösartigen schwarzen Hautkrebs erkennen, ohne dafür Gewebe zu entnehmen. Mit dem Gerät kann man außerdem feststellen, wie wirksam Anti-Aging-Produkte sind und wie stark Nikotin oder Hormonpillen die Haut altern lassen. Auch die Sicherheit von Nanopartikeln in der Sonnenschutzcreme kann damit überprüft werden. Für die Entwicklung dieses Laser-Tomographen wurde Karsten König, Professor für Biophotonik und Lasertechnologie der Universität des Saarlandes, jetzt mit dem renommierten Berthold Leibinger Innovationspreis ausgezeichnet.

Mit der neuen Lasertechnologie können Forscher in die Hautzellen hineinschauen. Die räumliche Auflösung ist dabei tausendmal höher als bei Ultraschallgeräten, weltweit erreicht kein anderes Gerät solche Werte. Die Ärzte und Pharmazeuten können damit nicht nur einzelne Zellen analysieren, sondern sogar einzelne Organellen. Das sind zum Beispiel die Speicher der Zellen, in denen Fett angereichert, oder die als „Kraftwerke der Zellen“ bekannten Mitochondrien. „Viele Salben und Cremes verändern die Hautzellen und versuchen zum Beispiel, bestimmte Mechanismen des Alterns zu verzögern. Mit dem Laser-Tomographen kann man über mehrere Woche genau beobachten, ob diese Produkte überhaupt wirken“, sagt Karsten König.

Das Gerät wird aber auch für die Krebsfrüherkennung verwendet, da der Arzt damit direkt am Patienten einzelne Krebszellen wie etwa das schwarze Melanom bestimmen kann. „Er muss dafür kein Gewebe mehr entnehmen“, erläutert König. Der Experte für Lasertechnologie nutzt dabei die fluoreszierende Eigenschaft von Krebszellen, die durch Laserstrahlen angeregt heller leuchten als gesunde Zellen. In Kliniken in Australien, Japan und Europa wird der Tomograph auch dafür eingesetzt, Patienten mit Hauterkrankungen oder schwer heilenden Wunden zu beobachten. „Mithilfe von dreidimensionalen Bildern können Ärzte die charakteristischen Strukturen der Hautzellen erkennen und unterscheiden, ob sich die Hautzellen durch Krankheiten, Umwelteinflüsse oder wegen eines medizinischen Wirkstoffes verändert haben“, sagt König. Die Therapie könne dadurch ganz individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.

Der Laser-Tomograph wird von der Firma JenLab GmbH vermarktet, die sowohl in Jena als auch Science Park der Universität des Saarlandes einen Sitz hat. Karsten König gründete diese Firma im Jahr 1999 als Spin-off-Unternehmen der Universität Jena, um darüber schlüsselfertige Diagnosegeräte für den medizinischen Einsatz zu entwickeln und zu vermarkten. Heute verkauft das Unternehmen zertifizierte Geräte an Kliniken und Unternehmen in die ganze Welt.

Für seine Entwicklung erhielt Professor König jetzt den mit 20.000 Euro dotierten Berthold Leibinger Innovationspreis (Zweiter Preis), der international für neue Entwicklungen auf dem Gebiet der angewandten Lasertechnologie ausgeschrieben wird. Der Preis, der seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre von der Berthold Leibinger Stiftung verliehen wird, gehört zu den wichtigsten Innovations- und Forschungspreisen in der Optik. Der Jury gehörten renommierte Vertreter aus Wissenschaft und Industrie an, darunter Professor Theodor Hänsch, der den Nobelpreis für Physik erhielt.

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Karsten König
Lehrstuhl für Biophotonik und Lasertechnologie
Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-3451
k.koenig@blt.un…

———————————–

Nahrungsergänzung zu: , , , ,

Verwandte Artikel