09. Mai 2010

Spiegelneurone schaffen Wohlgefühl

Kommunikation auf zwischenmenschlicher Ebene verbessern In Tierversuchen haben Forscher die Spiegelneurone erstmals entdeckt. Doch diese spielen auch in der Entwicklung zwischenmenschlicher Beziehungen eine wesentliche Rolle. Spiegelneurone sind Nervenzellen, die im Gehirn während der Betrachtung eines Vorgangs die gleichen Potenziale auslösen, wie sie entstünden, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet, sondern (aktiv) gestaltet würde. „Dies gilt sowohl für emotionale als auch für emotionsneutrale Handlungen, wobei bei emotionalen Handlungen das zwischenmenschliche Wohlgefühl wesentlich erhöht wird“, so die Psychotherapeutin Sabine Fischer www.fischer-psy… im pressetext-Interview. Das gelte vor allem dann, wenn ein Gleichklang der Emotionen herrsche.

“Gute zwischenmenschliche Beziehungen werden nicht nur im Gehirn gespeichert, sondern sie sind die am besten wirksame und völlig nebenwirkungsfreie Droge gegen seelischen und teilweise auch körperlichen Stress“, meint die Therapeutin. „Der menschliche Körper hat die Fähigkeit unbewusste Wahrnehmungen aufzunehmen und ohne unser Wissen seelische und biologische Reaktionen in Gang zu setzen.“

Jüngste arbeitsmedizinische Untersuchungen zeigen, dass die Gesundheit heute in weit größerem Umfang von zwischenmenschlichen Konflikten, fehlenden sozialen Unterstützungen oder anderen Stressfaktoren bedroht ist. „Wenn Angst, anhaltende Traurigkeit, Stressgefühle und andere emotionale Schwierigkeiten auftauchen, hat es sehr oft damit zu tun, das im Rahmen einer bedeutsamen zwischenmenschlichen Beziehung wichtige emotionale Anliegen und Bedürfnisse in Gefahr geraten sind“, meint Fischer.

Beziehungen beeinflussen gesamten Organismus

“Zwischenmenschliche Beziehungen wirken massiv in den Menschen hinein. Sie beeinflussen nicht nur die seelische Sphäre, sondern auch – auf dem Weg über das Gehirn – biologische Funktionen und körperliche Strukturen des Organismus“, meint Fischer. „Daher ist es nicht überraschend, dass zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung oder Aufrechterhaltung von Symptomen leisten, sondern dass der Zusammenhang zwischen Symptom und zwischenmenschliche Beziehungen auch den entscheidenden Ansatzpunkt in der Psychotherapie darstellt.“

“Bisherige Beziehungserfahrungen und -muster aktueller Beziehungsgestaltung werden, wie moderne Methoden der Neurologie zeigen, in Nervenzell-Netzwerken gespeichert“, erklärt Fischer. Dies beginne kurz nach der Geburt, um die Mutter von anderen Personen unterscheiden zu können. „In Folge führt das zur Ausbildung einer emotionalen Bindung.“

Durch die Spiegelneurone kann das Gehirn in der Außenwelt wahrgenommene Vorgänge so speichern, dass der betreffende Vorgang selbst reproduziert werden kann. „Dies gilt für Verhaltensweisen und auch für Gefühle, die damit verknüpft werden“, so die Psychotherapeutin. „Emotionale Reizverarmung führt zu Degeneration der Spiegelzellen und dadurch auch zu Verlust von Empathiefähigkeit, wie neueste Studien zeigen.“

Empathie als Voraussetzung zur Selbstentfaltung

“Empathie bedeutet, sich in Lage eines anderen Menschen zu versetzen und darüber klar zu werden, was der andere fühlt, sowie die eigenen Gefühle zu erkennen und angemessen zu reagieren“, erklärt Fischer. Empathie schaffe Vertrauen und Nähe. „Durch Empathie lernen Kinder die eigenen und die Grenzen der anderen zu erkennen. Sich selbst als Individuum zu erleben, ist die Grundvoraussetzung zur Selbstentfaltung“, erklärt Fischer.

“Kinder lernen zwar auch bei mangelnder Spiegelung meist sehr gut, wie man sozial überlebt und wie man sich in verschiedenen Situationen verhalten muss.“ Doch dies sei noch keine richtige Empathie. Mangelnde Empathie zeigt sich vor allem dort, wo es an gelernten Verhaltensmustern mangelt oder in hochemotionalen Situationen, wie sie in engen Beziehungen manchmal auftreten.

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08. Januar 2009

Angstauslöser im Gehirn entdeckt

Angsthase oder coole Socke: Wie ängstlich oder mutig ein Mensch ist, hängt unter anderem von bestimmten Abläufen im Gehirn ab. Ein internationales Wissenschaftlerteam unter Beteiligung von Univ.-Prof. Dr. med. Gerhard Gründer, Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes Experimentelle Neuropsychiatrie der RWTH, konnte erstmals zeigen, dass bei ängstlichen Menschen eine hohe Dopaminkonzentration im Bereich der Amygdala vorliegt.

Dieser so genannte Mandelkern liegt im Schläfenlappen unterhalb der Hirnrinde. Geschürt oder reduziert wird das Angstgefühl zudem durch einen mehr oder weniger intensiven Austausch dieses Gehirnbereichs mit dem anterioren Cingulum. Die neuen Grundlagenforschungsergebnisse, die unlängst in der hochrangigen Fachzeitschrift Nature Neuroscience publiziert wurden, sollen helfen, neue pharmakologische und verhaltenstherapeutische Therapieansätze für Menschen mit Panik- und anderen Angststörungen zu entwickeln.
„Die Erkenntnis, dass Dopamin als Angstauslöser fungiert, ist fundamental neu“, berichtet der Aachener Wissenschaftler. Bisher sei dieser Botenstoff – im Volksmund auch Glückshormon genannt – dafür bekannt, bei freudigen Erwartungen eine Rolle zu spielen. Außerdem ist wissenschaftlich bewiesen, dass ein reduziertes Dopaminvorkommen im Hirnstamm die Ursache für die Bewegungsstörungen bei Parkinson- Patienten ist, so der stellvertretende Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen.
Mit Hilfe eines kombinierten Bildgebungsverfahrens gelang es den Wissenschaftlern nun, die Dopaminrelevanz bei Angst zu dokumentieren.
„In einem ersten Schritt erhielten unsere Probanden einen Vorläufer des Botenstoffs verabreicht“, berichtet der Aachener Psychiater. Diese radioaktive Substanz wird im Körper zu Dopamin umgewandelt – ein neurochemischer Prozess, der im Positronen-Emissions-Tomographen (PET) sichtbar gemacht werden kann und somit die Dopaminkonzentration in der Amygdala zeigte. In einer anschließenden Untersuchung im Kernspintomographen wurden den Probanden angstauslösende Bilder gezeigt und die Reaktion bestimmter Hirnareale auf die Präsentation dieser Bilder gemessen. Außerdem wurde die Neigung der Probanden zur Ängstlichkeit mit Hilfe eines skalierten Fragebogens erfasst. „Uns interessierte die funktionelle Konnektivität zwischen Amygdala und dem anterioren Cingulum im Frontalkortex“, erläutert Gründer. Dabei zeigte sich, dass ein intensiver Austausch dieser beiden Hirnareale bei den Probanden eine angstreduzierende Wirkung hatte: „Je stärker die Hirnbereiche miteinander kommunizierten, desto niedriger war die Aktivität der Amygdala bei der Wahrnehmung angstauslösender Reize.“ Die gewonnenen Erkenntnisse helfen, die Neurobiologie von Angst besser zu verstehen, um sie gegebenenfalls bei krankhaften Störungen zu regulieren. Auch wenn die Dopaminkonzentration und die Interaktion zwischen Amygdala und anteriorem Cingulum sicherlich genetisch und biografisch geprägt ist: Nach Ansicht des Aachener Psychiaters lässt sich der neurobiologische Regelkreis durch Psychotherapie und Medikamente durchbrechen. „Patienten können in einer Psychotherapie lernen, durch verändertes Verhalten langfristig ihre Angstwahrnehmung zu steuern.“

Weitere Informationen bei Prof. Gerhard Gründer, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen, Telefon: 0241/80 89 821

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07. Januar 2009

Oxytocin, das Hormon für besseres Sozialverhalten

Das Kuschelhormon Oxytocin stärkt nicht nur das Vertrauen in andere Menschen, es hilft auch beim Wiedererkennen von Gesichtern: Wer eine Dosis des Hormons als Nasenspray verabreicht bekommt, kann besser zwischen vertrauten und fremden Gesichtern unterscheiden, haben Schweizer Forscher jetzt gezeigt. Die Erinnerung an leblose Gegenstände wie Häuser oder Statuen wird von dem Hormon hingegen nicht beeinflusst. Die Studie zeige einmal mehr, wie wichtig Oxytocin für den Umgang mit anderen Menschen und das Sozialverhalten im Allgemeinen ist, schreiben Ulrike Rimmele und ihr Team.

Bei Tieren gilt Oxytocin bereits seit einigen Jahren als eines der, wenn nicht gar das zentrale Steuerhormon für das Sozialverhalten. Es reduziert unter anderem die Ausschüttung von Stresshormonen und macht so das Miteinander friedlicher. Zudem hilft es Mäusen und Ratten, vertraute Artgenossen am Geruch zu erkennen. Auch beim Menschen deutet vieles auf eine wichtige Rolle des Hormons beim Sozialverhalten hin. So können etwa Männer unter Oxytocin-Einfluss emotionale Gesichtsausdrücke besser identifizieren, und auch das Vertrauen in andere Menschen steigt, wenn das Hormon zuvor verabreicht wurde. Ob es jedoch wie bei Mäusen das soziale Lernen verbessert, das etwa dem Wiedererkennen eines Gesichts zugrundeliegt, war bislang unklar.

Um das zu testen, verabreichten Rimmele und ihre Kollegen 22 jungen Männern eine Dosis Oxytocin-Nasenspray und weiteren 22 ein wirkstofffreies Placebo. Vierzig Minuten später bekamen die Probanden Bilder von Gesichtern, Gebäuden und Kunstwerken gezeigt, die sie nach bestimmten, für den Test völlig irrelevanten Kriterien bewerten sollten. Am nächsten Tag wurden denselben Testteilnehmern überraschend weitere Bilder gezeigt, darunter einige, die sie bereits am Tag zuvor gesehen hatten. Dabei zeigte sich ein messbarer Unterschied zwischen den Gruppen: Die Oxytocin-Probanden konnten mit einer höheren Trefferquote angeben, ob ihnen die Gesichter vertraut waren oder nicht, wohingegen sie bei den anderen Bildern genauso abschnitten wie die Kontrollgruppe.

“Wir können in dieser Studie zum ersten Mal beim Menschen nachweisen, dass das Hormon Oxytocin spezifisch das Gedächtnis für soziale Informationen verbessert”, erläutert Mitautor Markus Heinrich von der Universität Zürich gegenüber wissenschaft.de. Das Gesicht sei beim Menschen schließlich das primäre soziale Merkmal, von dessen Erkennen alle weiteren sozialen Interaktionen abhängen. Die Ergebnisse seien vor allem im Hinblick auf psychische Störungen interessant, die mit Problemen im Sozialverhalten einhergehen. “In aktuellen, noch nicht publizierten Befunden sehen wir sogar klinische Effekte bei Personen mit Autismus und sozialer Phobie. Es ist also zu hoffen, dass wir demnächst neue Therapiemethoden bei bislang schwer zu behandelnden psychischen Erkrankungen mit schweren sozialen Defiziten anbieten können, etwa auch bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung”.

Ulrike Rimmele (New York University) et al.: Journal of Neuroscience, DOI:10.1523/jneurosci.4260-08.2009

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