15. Mai 2010

Heilkraft aus der Ananas – Enzyme gegen Schmerz und Schwellung

Beim Zahnreißen  verhindern  sie  die  eine  dicke Backe, beim Sport bekämpfen sie den Muskelkater und bei Virusinfektionen stärken sie die Immunabwehr. Gelenkspezialisten, wie der Wiesbadener Professor Klaus Miehlke, sehen in Enzymen eine hochwirksame, sanfte Alternative zu klassischen Rheumamitteln. Wissenschaftler an rund einem Dutzend deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten suchen nach neuen Einsatzmöglichkeiten von Enzymen gegen unterschiedlichste Krankheiten, und auch in Drogeriemärkten haben Enzyme Einzug gehalten.

Diese Eiweißstoffe werden in allen Körperzellen produziert, um chemische Reaktionen zu ermöglichen oder zu beschleunigen. Sie helfen bei der Verdauung, sorgen in den Zellen für Energie oder ermöglichen die Informationsübertragung zwischen den Nerven. Ärzte setzen diese natürlichen Reaktionsbeschleuniger aber zunehmend gezielt gegen Krankheiten ein.

Doch nicht alle Enzym-Präparate sind nützlich: Unnötig ist es nach Ansicht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, die in Supermärkten und  Drogerien angebotenen medizinisch nicht wirksamen Enzympräparate zu schlucken. Vor allem als Nahrungsergänzungsmittel sind Enzyme nach Ansicht vieler Mediziner über flüssig. Auch als Schlankmacher bringen sie allenfalls den Herstellern Vorteile.

Bei der Behandlung der schätzungsweise jährlich rund einer Million Sportverletzungen in der Bundesrepublik könnte die Enzymtherapie künftig jedoch eine immer wichtigere Rolle spielen. Doppelblindstudien der Technischen Universität München mit Eishockey-  Bundesligaspielern haben gezeigt, dass Enzyme typische Sportverletzungen wie Prellungen und Stauchungen in der Hälfte der üblichen Zeit abheilen lassen.

In Deutschlands Apotheken hat sich der Absatz von Enzymkombinationspräparaten seit 1991 mehr als verdoppelt. In der Hitliste der apothekenpflichtigen Arzneien stehen Enzympräparate hinter Schmerzmitteln nach einem Bericht des Instituts für medizinische Statistik bereits an dritter Stelle. Experten schätzen, dass derzeit jährlich 1,5 Millionen Bundesbürger regelmäßig Enzyme schlucken.

Enzyme, wie das aus der Ananas gewonnene Bromelain oder die aus den Verdauungsorganen von Schweinen und Rindern stammenden Enzyme Chymotrypsin und Pankreatin, wirken entzündungshemmend. Sie beschleunigen den Abbau der bei Entzündungen entstehenden Plasmaproteine und Fibrinablagerungen sowie deren Abtransport über das Blut und das Lymphsystem. Enzyme können Entzündungen nicht
verhindern, sondern nur ihren Ablauf beschleunigen. Das erklärt ihre Breitbandwirkung bei vielen Erkrankungen,schränkt aber auch gleichzeitig ihre Einsatzmöglichkeiten ein: Enzyme wirken nach dem bisherigen Stand der Forschung nur gegen Erkrankungen, die mit Entzündungen oder Gewebeverletzungen verbunden sind.

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02. April 2010

Orangensaft hilft beim Fettabbau

Nach einem Mahl mit viel Fett und Kohlenhydraten ist ein Glas frisch gepresster Orangen eine gute Sache. Laut Wissenschaftler der University of Buffalo www.buffalo.edu kann der Saft den oxidativen Stress teilweise neutralisieren, der durch ungesundes Essen ausgelöst wird, und schützt somit die Blutgefäße vor Schädigungen. Hervorgerufen werde dieser Effekt durch wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe in der Orange, sogenannte Flavonoide, so die Forscher im “American Journal of Clinical Nutrition”.

Ein Glas im Nachhinein als Vorsorge
Untersucht wurden drei Gruppen normalgewichtiger, gesunder Frauen und Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Auf nüchternen Magen verzehrten sie ein 900-Kalorien-Frühstück mit Weißbrot, Würstel und Ei sowie Kartoffelpuffer. Das Menü enthielt gezählte 81 Gramm Kohlenhydrate, 51 Gramm Fett und 32 Gramm Proteine. Dazu trank eine Gruppe 300 Kalorien von einem Orangensaft aus gepressten Früchten, die zweite bezogen dieselbe Energie aus einem Zuckergetränk. Die dritte Gruppe trank Wasser. Vor dem Essen sowie ein, drei und fünf Stunden danach entnahmen die Forscher den Probanden Blutproben. Waren die Entzündungswerte anfangs gleich gewesen, stiegen sie in der Wasser-Gruppe um 62 Prozent und in der Softdrink-Gruppe um 63 Prozent, bei der Orangensaft-Gruppe hingegen bloß um 47 Prozent. Allein der Fruchtsaft bewirkte außerdem einen deutlichen Anstieg des Tumorsuppressors SOCS-3, der wichtig für die Widerstandskraft gegen Entzündungen, Atherosklerose, Fettleibigkeit und Insulinresistenz ist.

Weniger Entzündungsprozesse
“Gezeigt wurde somit erstmals, dass Orangensaft nach fett- und kohlenhydratreichen Essen den zu erwartenden Anstieg an Sauerstoffradikalen und anderen Entzündungsprozessen auf Zell- als auch auf Molekülebene bremst”, berichtet Studienautor Husam Ghanim. Bedeutend sei dies deshalb, da die nach einem ungesunden Essen gebildeten freien Sauerstoffradikale die Gefäßwände schädigen und dadurch zu höherem Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle führen.

Orangensaft könne diesen negativen Prozessen jedoch entgegenwirken. Den Schlüssel dafür sehen die Wissenschaftler in den Pflanzenfarbstoffen Naringenin und Hesperidin, die wichtige Antioxidanten sind und in der Orange in großen Mengen vorkommen.

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09. Juli 2009

UDE: Fortschritt in der Schlaganfalltherapie

Wer einen Schlaganfall erleidet, braucht schnelle Hilfe. Das große Potenzial von Stammzellen könnte nun zu einer Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten beitragen. Neurologen am Universitäts- klinikum der Universität Duisburg-Essen (UDE) stellten in einer Kooperation mit dem Ospedale San Raphaele (Mailand) fest, dass eine zellbasierte Therapie auch noch 72 Stunden nach dem Ereignis wirksam ist. Die Wissenschaftler veröffentlichen dazu experimentelle Daten in der renommierten Zeitschrift „Brain“.

Damit die Nervenzellen überleben, müssen pharmakologische Wirkstoffe nach einem Schlaganfall üblicherweise innerhalb von einer bis drei Stunden, manche innerhalb von bis zu sechs Stunden verabreicht werden. „Dies schränkt die Einsatzmöglichkeit in der Klinik erheblich ein. Doch wir konnten in unserer Studie erstmals nachweisen, dass eine zellbasierte Therapie beim Schlaganfall das Überleben von Nervenzellen ermöglicht, wenn die Therapie in der Klinik über eine äußere Vene und erst 72 Stunden nach dem Schlaganfall erfolgt“, erklärt Prof. Dr.med.
Dirk Hermann vom Lehrstuhl für vaskuläre Neurologie und Demenz.

Sein Team hat dafür die Effekte neuraler Stammzellen von erwachsenen Mäusen beim ischämischen Schlaganfall erforscht. Bei dieser Erkrankung wird das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt. Die Forscher beobachteten, dass die nervenschützende Wirkung der untersuchten Zellen sehr verzögert einsetzte. „Sie reicht weit über die etablierten Zeitfenster hinaus, in denen pharmakologische Substanzen wirken. Es überlebten nicht nur mehr Nervenzellen, zugleich erholten sich die Mäuse besser von motorischen Behinderungen – was darauf hinweist, dass die beobachteten Effekte klinisch relevant sind“, so Professor Hermann.

Mit ihrer Arbeit konnten die Ärzte auch belegen, dass Stammzellen im Schlaganfallgehirn vielfältige Auswirkungen haben: Sie hemmen Entzündungen im Hirngewebe und blockieren den programmierten Zelltod.
Zudem verhindern sie, dass sich eine Narbe in der Randzone des Infarkts bildet, und stimulieren die Reorganisation von Nervenzell- verbindungen, die in entlegene Hirnareale führen.

Diese Ergebnisse bedeuten neue Perspektiven für die Schlaganfalltherapie. Mit experimentellen Methoden wird die Arbeitsgruppe die degenerativen und restaurativen Prozesse im Gehirn weiter analysieren. Ihr Ziel sind neuartige Behandlungskonzepte, die die wichtigsten Funktionen wieder herstellen.

Weitere Informationen: www.uni-due.de/neurologie/ Prof. Dr.med. Dirk Hermann, Tel. 0201/723-2180, dirk.hermann@uk- essen.de

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