13. August 2010

Dicke Finger am Morgen? Erfahren Sie, was hilft!

Ist Ihnen das auch schon passiert? Sie wachen frühmorgens auf, schauen in den Spiegel und sind nicht wirklich zufrieden, was sie sehen. Sie sehen total verschlafen aus, Ihr Gesicht ist verschwollen wie nach einer durchheulten Nacht. Sie wollen Ihren Ring anstecken, doch dieser passt nicht mehr, denn auch die Finger sind angeschwollen. Wenn Sie dann Ihre Straßenschuhe anziehen, scheinen diese über Nacht zu klein geworden zu sein…
Schuld ist oft Wasser, was sich eingelagert hat. Doch wie kann das einfach so über Nacht passieren?

Die Ursache kann ein Ungleichgewicht zwischen Flüssigkeitszufluss und Flüssigkeitsabfluss im Bindegewebe sein. Dieses entsteht beispielsweise durch eine erhöhte Konzentration an Natrium-Ionen im Körper. Salz (Natriumchlorid), so scheint es, geht unter die Haut. Es bindet das Wasser im Körper.

Natriumchlorid ist das Salz des Zellzwischenraumes. Kaliumchlorid dominiert im Inneren den Zellen. Beide sollten im ausgewogenen Verhältnis zueinander vorliegen. Eine vermehrte Natriumaufnahme führt zu einer Ausdehnung des Volumens rund um die Zellen. Es kommt zu geschwollenen Füßen, Fingern oder dem typischen “verschlafenen” Gesicht.

Salz galt im Mittelalter als “weißes Gold” und wurde mit Edelsteinen aufgewogen. Vom Status als Luxusgut ist heute kaum etwas übrig geblieben. Vielmehr gilt ein hoher Salzkonsum seit vielen Jahren als Risikofaktor für Bluthochdruck. Rund neun Gramm Kochsalz nimmt ein Durchschnittsbürger der Industrienationen heute pro Tag zu sich. “Der Mensch ist heute das einzige frei lebende Landsäugetier, das mit der Ernährung mehr Natrium als Kalium zu sich nimmt”, bringt es der Evolutionsmediziner Boyd Eaton aus den USA auf den Punkt. Das Verhältnis von Natrium und Kalium hat sich im Vergleich zum Mittelalter umgekehrt.

Wer seinen Salzkonsum senkt, tut Blutdruck, Hirn und Herz einen Gefallen. Unter sechs Gramm pro Tag können eine Absenkung des systolischen Blutdrucks um vier bis sechs mmHg bringen, sagt die Deutsche Hochdruckliga in ihrer aktuellen Leitlinie. Sechs Gramm Salz entsprechen etwa einem gehäuften Teelöffel.

Tipps: Wassertabletten, Kaliumaspartat, Natriumreduziertes Salz

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03. August 2010

Homburger Forscher finden neuen Therapieansatz für die Behandlung von Bluthochdruck

Wissenschaftler des Homburger Instituts für Pharmakologie haben zusammen mit Kollegen des Instituts für Physiologie der Universität Regensburg und der Universität Leuven in Belgien einen bisher unbekannten Mechanismus identifiziert, der bei der Entstehung von Bluthochdruck eine entscheidende Rolle spielt. Die Forscher um die Diplombiologin Ilka Mathar und Prof. Marc Freichel konnten in Zusammenarbeit mit Prof. Rudi Vennekens (KU Leuven) und Prof. Frank Schweda (Universität Regensburg) zeigen, dass ein Ionenkanal, der als TRPM4 bezeichnet wird, die Freisetzung von Adrenalin aus Zellen des vegetativen Nervensystems und dadurch den arteriellen Blutdruck reguliert.

Die von den Wissenschaftlern in Homburg durchgeführten Experimente, die am 2. August 2010 in der führenden Wissenschaftszeitschrift Journal of Clinical Investigation publiziert wurden, eröffnen die Möglichkeit, Aktivatoren des TRPM4-Ionenkanals als neue Arzneimittel zur Behandlung von Bluthochdruck zu entwickeln.

Bluthochdruck ist ein entscheidender Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nach wie vor eine der wichtigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle darstellen. In der Bundesrepublik Deutschland leiden rund 15 Millionen der 18- bis 80-Jährigen an Bluthochdruck, wobei dieser bei etwa drei Viertel der Patienten entweder nicht bekannt ist oder nicht entsprechend behandelt wird. Die Erkrankung verläuft sehr häufig ohne für den Patienten wahrnehmbare Symptome, und die Ursachen für die Entstehung dieser Volkskrankheit sind fast immer unbekannt. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass Bluthochdruck durch Veränderungen in Genen verursacht werden kann, die die Kontraktion von Blutgefäßen, den Ionentransport in der Niere oder auch die Freisetzung von Hormonen beeinflussen.

Hier setzen die Untersuchungen der Homburger Wissenschaftler an. Der von ihnen identifizierte Ionenkanal steuert die Freisetzung von Adrenalin, das in Zellen des vegetativen Nervensystems gespeichert und bei Stresssituationen ausgeschüttet wird. Durch eine Hemmung dieses als TRPM4 bezeichneten Ionenkanals steigt die Adrenalinfreisetzung deutlich an. Entsprechend wären Substanzen, die den TRPM4-Ionenkanal aktivieren, vielversprechende Medikamente zur Blutdrucksenkung. Möglicherweise ist auch die bei vielen Menschen vorhandene Disposition, einen Bluthochdruck zu entwickeln, auf eine Fehlfunktion dieses Ionenkanals zurückzuführen. Die Suche nach neuen Arzneimitteln, die TRPM4 aktivieren, hat bereits begonnen, ebenso genetische Untersuchungen von Patienten mit Bluthochdruck, um herauszufinden, inwieweit deren Krankheit auf Veränderungen des TRPM4-Gens zurückzuführen ist.

Link zum Artikel im Journal of Clinical Investigation: www.jci.org/art…

Kontakt:
Prof. Dr. med. Marc Freichel
Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Abt. Experimentelle Pharmakologie und Präklinische Krankheitsmodelle
Universität des Saarlandes
66421 Homburg
Telefon: (06841) 16-26438
E-Mail: marc.freichel@u…
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24. Oktober 2009

Klostermedizin: Altes Heilwissen erforscht

Die medizinische Versorgung im Mittelalter lag vor allem in den Händen der Nonnen und Mönche in den Klöstern. Die von ihnen praktizierte Kräuterheilkunde intensiv zu erforschen, ist zentrales Anliegen der Forschungsgruppe Klostermedizin. Im Botanischen Garten der Universität mit seiner umfangreichen Arzneikräutersammlung hat die Gruppe unlängst ihr 10-jähriges Bestehen mit einem Symposium gefeiert.

Die Forschungsgruppe besteht seit 1999 und ist eine Ausgründung aus dem Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg.
Die Universität stellt Räume und Ausstattung zur Verfügung. Der Sprecher der Gruppe, der Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer, ist auch in die Lehre eingebunden und betreut Doktorarbeiten in der Pharmazie und in der Medizin. Finanziert wird die Forschungsgruppe zum größten Teil durch die Abtei Pharma Vertriebs GmbH.

Um den Arzneipflanzenschatz der Klostermedizin, die auch als traditionelle europäische Medizin verstanden werden kann, möglichst komplett zu dokumentieren, versuchen die Wissenschaftler alle Kräuter- und Arzneihandbücher von der Spätantike (circa 60 nach Christus) bis ins 16. Jahrhundert zu erfassen und zu analysieren. Dazu arbeiten sie die für die Pflanzen damals üblichen Indikationen und Anwendungen heraus und vergleichen diese mit dem heutigen modernen Stand der Forschung. Gelegentlich ergeben sich darüber auch neue Anwendungen für längst bekannte Arzneikräuter.

Ein Name für verschiedene Heilkräuter

Da es im Mittelalter keine feste Nomenklatur dafür gab, sehen sich die Forscher bei dieser Arbeit nicht selten mit ganz verschiedenen Namen für eine Pflanze konfrontiert: So wird die Schlüsselblume unter anderem Primula veris, Gichtkraut, Himmels- oder auch Petrusschlüssel genannt. Schwieriger wird es noch, wenn eine Bezeichnung für verschiedene Pflanzen verwendet wurde. Solidago zum Beispiel, womit im Mittelalter Beinwell gemeint war, steht in neuerer Zeit für die Goldrute. „Da geht man dann furchtbar in die Irre, wenn man das nicht weiß“, sagt Johannes Mayer. Und nachdem die Kräuterbücher im Mittelalter nur spärlich oder gar nicht bebildert waren, finden sich in dieser Zeit auch nur selten Illustrierungen, die Aufschluss geben könnten.

Besonders im 15. und 16. Jahrhundert ist es aber auch immer wieder zu folgenreichen Verwechslungen gekommen. In ihrem Bemühen, ihre Texte inhaltlich abzusichern, hätten die Drucker in den nun neu erscheinenden Büchern versucht, alles auf die alten Autoritäten, die Gelehrten aus der Antike, zu beziehen, berichtet Mayer. So kam es zum Beispiel, dass der Hopfen – Humulus lupulus – der in Europa erst im Mittelalter zur Arzneipflanze wurde, plötzlich bei Erkältungskrankheiten eingesetzt wurde – einer Indikation also, die die arabischen Gelehrten in ihren medizinischen Schriften von alters her Volubulis zugeschrieben hatten, womit allerdings der Efeu gemeint war. „Und es hat 200 Jahre gedauert, bis das jemand gemerkt hat.“

Knapp 600 Heilpflanzen hat die Forschungsgruppe mittlerweile grob erfasst, etwa 120 davon – von Baldrian über Beinwell, Hopfen, Fenchel, Ingwer und Zimt – sind ausführlicher bearbeitet. Die Ergebnisse fließen in eine ausführliche Datenbank ein. Das bislang wichtigste Projekt, das Handbuch der Klosterheilkunde, 2002 erstmals erschienen, liegt mittlerweile in der 11. Auflage vor und wurde bereits 200 000 Mal verkauft. Aktuell arbeiten die Forscher daran, das vorhandene Bildmaterial auszuwerten. „Durch die Abbildungen kommt man auch an die Unterarten der Pflanzen ran. Deren Besonderheiten zu erkennen, hätte man im Text keine Chance“, erklärt Mayer. „Aber im Bild erkennt man sofort: Das ist eine ganz speziell Art von Königskerze.“

In der Forschungsgruppe sind neben Johannes Mayer die beiden Würzburger Pharmazeutinnen Heike Will und Katharina Mantel beteiligt sowie der Altphilologe Dr. Konrad Goehl, der die oft schwer zu entschlüsselnden Quellen zunächst aus dem Lateinischen übersetzt und transkribiert. Dr. Bernhard Uehleke (Freie Universität Berlin) bringt sich mit seiner Expertise zu Naturheilverfahren ein, Dr. Sabine Anagnostou (Universität Marburg) ist Spezialistin für Missionsmedizin, also die Kenntnisse über Heilpflanzen, die die Mönche aus den Kolonien mitgebracht haben. Nicht zuletzt ist der Zisterzienserpater Dr. Herrman Josef Roth, promovierter Biologe und Ordenshistoriker aus Bonn, ein „wichtiger und kritischer Begleiter“. Er sei ein ausgewiesener Experte zur Geschichte der Benediktiner und Zisterzienser, berichtet Johannes Mayer. Vor allem aber habe er für die Forschergruppe schon manche Pforte geöffnet: „Durch ihn bekommen wir Zugang zu Bibliotheken von Frauenklöstern, in die wir sonst niemals reinkommen würden.“

Kontakt: Dr. Johannes Gottfried Mayer, T (0931) 83264, E-Mail: , , , , , , , , ,

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