25. November 2008

Durchbruch in der Erforschung von Lungenerkrankungen

Die „chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen“ (COPD) gehören zu den Volkskrankheiten: Weltweit leiden schätzungsweise 44 Millionen Menschen daran, allein in Deutschland rund fünf Millionen. Die Patienten haben mit Luftnot zu kämpfen, ihre Bronchien sind verengt.

Nicht selten verläuft die Erkrankung tödlich. Die Hauptursache: Zigarettenqualm; neun von zehn Betroffenen sind Raucher. Dem Essener Wissenschaftler Dr. Bernhard B. Singer, Spezialist für Biochemie, Molekularbiologie und Immunologie am Institut für Anatomie des Universitätsklinikums, ist zusammen mit Kollegen aus Berlin und dem schwedischen Malmö ein Durchbruch in der Erforschung dieser lebensgefährlichen Erkrankung gelungen. Die Ergebnisse veröffentlichte er jetzt in der November-Ausgabe der renommierten Zeitschrift Nature Immunology.

„Bei ungefähr 50 Prozent der an COPD Erkrankten besiedeln so genannte Moraxellen die unteren Atemwege. Diese Bakterienstämme beeinflussen das Zusammenspiel von Rezeptoren im menschlichen Organismus und nehmen so negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf“, erklärt Dr. Bernhard B. Singer. Zum Hintergrund: Die Moraxellen in den Atemwegen der Patienten aktivieren den Rezeptor, also die „Empfangsstation der Zelle“, mit dem Namen CEACAM. Dieser wiederum hindert den TLR 2 – Rezeptor daran, seine Aufgabe – nämlich Bakterien zu erkennen und zu bekämpfen – richtig zu erfüllen. Mit dem Ergebnis, dass die Schleimhaut der Bronchien keine genügend starke Entzündung entwickeln können, um die Bakterien zu vernichten. So bleiben die Moraxellen für lange Zeit in den Bronchien und belasten die Lunge und damit den Patienten dauerhaft.

Neue Erkenntnisse nutzen bei Arthritis, Morbus Crohn oder Schuppenflechte
Das Team um Dr. Bernhard B. Singer geht nun verstärkt der Frage nach, wie die Moraxellen genau wirken, um so den Patienten, die unter COPD leiden, besser helfen zu können. Gleichzeitig wollen die Forscher ihre Erkenntnis auch für Erkrankungen nutzen, die mit starken Entzündungen einhergehen – wie Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn, Schuppenflechte oder Rheumatoide Arthritis. „Entzündungsreaktionen bei einigen Erkrankungen würden weniger stark ausfallen, wenn wir es schafften, die Wirkung von Moraxellen auf TLR2 zu imitieren“, erläutert Dr. Singer und ergänzt: „Nur durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern und Grundlagenforschern ist es uns hier gelungen, den medizinischen Fortschritt für den Menschen wieder ein Stückchen voranzubringen.“ Besonders hebt er in diesem Zusammenhang die enge Kooperation mit Dr. Hortense Slevogt, Fachärztin für innere Medizin und Infektiologie an der Berliner Charité, hervor.

Nähere Informationen:
Dr. Bernhard B. Singer; Spezialist für Biochemie, Molekularbiologie und Immunologie am Institut für Anatomie des Universitätsklinikums Essen; Tel.: 0201/723-4389, bernhard.singer…

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07. November 2008

Kleine Pumpe – große Wirkung

Sie ist klein, wiegt nur 298 g und pumpt äußerst zuverlässig: Am Mittwoch, den 29. Oktober 2008, setzte das Team um Prof. Dr. Reiner Körfer (Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrum NRW), Oberarzt PD Dr. Gero Tenderich, Oberarzt Dr. Michiel Morshuis und Oberarzt Dr. Latif Arusoglu, das 100.Linksherzunterstützungssystem „VentrAssist LVAS“ der australischen Firma Ventracor in Europa ein. In einer 3-stündigen Operation wurde Rainer Ilner aus Kamp-Lintfort eine kleine Zentrifugalpumpe an die linke Herzkammer und an die Hauptschlagader angeschlossen, um die Pumpleistung seines eigenen, geschwächten Herzens zu unterstützen.

Das Unterstützungssystem war notwendig geworden, da der 47-jährige Patient aufgrund einer ausgeprägten Herzmuskelschwäche (Dilatative Kardiomyopathie) nur noch eine Leistungsfähigkeit von 15 Prozent hatte. Sein Herz war so geschwächt, dass ihm kleinste Anstrengungen große Mühe kosteten und immer mit Luftnot verbunden waren. Eine medikamentöse Therapie reichte nicht mehr aus, um seine schwere Herzinsuffizienz zu stabilisieren. Eine Herztransplantation wird notwendig. Doch die Wartezeit auf ein Spenderherz ist lang, mehr als ein Jahr. Um sie zu überbrücken, wurde ihm jetzt das VentrAssist- System eingesetzt. „Ohne den Einsatz eines Linksherzunterstützungssystems hätte Herr Ilner nur noch eine zeitlich begrenzte Lebenserwartung gehabt“, äußerte sich Prof. Dr. Reiner Körfer zufrieden über den Gesundheitszustand des Patienten, der heute erste Schritte in seinem Zimmer machte. „Unsere jahrlangen Erfahrungen zeigen, dass die Überbrückung zur Herztransplantation mittels Kunstherzsystemen die Ausgangssituation und Überlebenschance des Patienten vor und nach der Transplantation erhöhen, da die Durchblutung der abhängigen Organe deutlich verbessert wird.“

VentrAssist kann Patienten helfen, die unter terminaler Herzinsuffizienz (nicht heilbarer Herzmuskelschwäche) leiden und auf eine Herztransplantation warten. Leider konnten im letzten Jahr nur 376 Herzen bundesweit verpflanzt werden (davon 61 Herztransplantationen im Herz- und Diabeteszentrum NRW), während der Bedarf an Spenderorganen doppelt so hoch ist. Alternativen rücken daher in den Blickpunkt: Miniaturisierte, leistungsstarke Pumpen, die zur Überbrückung bis zur Transplantation und auch als Dauerlösung implantiert werden können.
Das Linksherzunterstützungssystem VentrAssist gehört zu der neuen Generation von Herzunterstützungssystemen. Vorteil: der Rotor ist magnetisch gelagert und somit nahezu verschleißfrei. Darüber hinaus verbrauchen diese Systeme wenig Energie, die Implantation ist vergleichsweise einfach und weniger invasiv. VentrAssist hat die Eigenschaft, sich an den Blutbedarf des Patienten anzupassen. Bei steigender Aktivität, beispielsweise beim Gehen oder körperlicher Betätigung des Patienten wirft das System mehr Blut in den Körperkreislauf aus. Im Ruhezustand nimmt der Blutfluß entsprechend ab.

Das System VentrAssist besteht aus einer kleinen implantierbaren Pumpe (Gewicht: 298 Gramm, Durchmesser: 67 mm, Material: Titan), die durch Rotation den natürlichen Blutstrom unterstützt. Im Inneren der Pumpe beschleunigt der magnetisch gelagerte Rotor mit ca. 1800 -3000 Umdrehungen pro Minute das Blut. Eine externe Steuereinheit kontrolliert die Systemleistung und regelt die Energieversorgung von wieder aufladbaren Batterien oder einem Batterieladegerät. Die Patienten können sich frei bewegen, die externe Steuereinheit und die Akkus tragen sie in einem kleinen Rucksack bei sich – ein dauernder stationärer Aufenthalt ist nicht mehr nötig. Dies sichert nicht nur das Überleben, sondern verhilft auch zu einer guten Lebensqualität.
Lediglich zu regelmäßigen ambulanten Kontrollen muß Rainer Illner ins Herz- und Diabeteszentrum NRW nach Bad Oeynhausen kommen.

Seit 1987 werden im Herz- und Diabeteszentrum NRW Patienten mit Herzinsuffizienz im Endstadium mit den unterschiedlichsten Herzunterstützungssystemen und Kunstherzen therapiert. Insgesamt rund 1500 Systeme haben die Spezialisten bereits implantiert und verfügen damit weltweit über die größte Kompetenz und Routine. 1999 wurde von Prof. Dr. Reiner Körfer, Oberarzt Dr. Latif Arusoglu und Oberarzt Dr. El Aly Banayosy weltweit das erste komplett implantierbare Kreislaufunterstützungssystem, das sogenannte LionHeart eingesetzt.
2004 und 2005 folgten weitere Premieren mit der Implantation von den zentrifugalen Linksherzunterstützungssystemen DuraHeart und CorAide.

Herz- und Diabeteszentrum NRW
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anja Brandt M.A.
Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen
Tel.: 05731-97 1955
Fax: 05731-97 2028
Email: info@hdz-nrw.de

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26. September 2008

Atemnot in der letzten Lebensphase lindern Forschungsprojekt zeigt Behandlungserfolge mit Opioiden

Das Ziel der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität unheilbar kranker Patienten zu bewahren, ihre Beschwerden zu lindern und ihnen ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Die Deutsche Krebshilfe hat die Palliativmedizin in den letzten Jahrzehnten in Deutschland erheblich vorangebracht. So unterstützt die gemeinnützige Organisation maßgeblich den Aufbau palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen, die Aus- und Weiterbildung auf diesem Gebiet sowie die Forschung. Zu den von ihr geförderten Forschungsprojekten zählt eine Studie der Forschungsstelle für Palliativmedizin der Universität Bonn am Malteser Krankenhaus Bonn/Rhein-Sieg, die gezeigt hat, dass Schmerzmittel (Opioide) auch eine schwere Atemnot bei Palliativpatienten effektiv lindern.

Die Deutsche Krebshilfe hat diese Studie mit rund 65.000 Euro gefördert. “Bei unserer Arbeit auf Palliativstationen beobachten wir oft, dass die Betroffenen unter extremer Atemnot leiden. Diese so genannte Dyspnoe führt dazu, dass die Patienten in Panik geraten, wodurch sich ihr Zustand noch verschlimmert – ein Teufelskreis”, erläutert Frau Dr. Katri Elina Clemens, die das Forschungsprojekt am Malteser Krankenhaus Bonn/Rhein-Sieg geleitet hat. Dyspnoe ist in der Palliativmedizin ein häufiges Symptom. Dabei handelt es sich um das subjektive Erleben von Luftnot, dessen Schwere nur der Betroffenen selbst beurteilen kann. Etwa die Hälfte der Patienten im fortgeschrittenen Tumorstadium leidet darunter. Bei Betroffenen mit Tumoren oder Metastasen in der Lunge steigt der Anteil sogar auf 70 bis 80 Prozent. Vielfältige Faktoren verursachen die Luftnot. Häufigster Grund ist eine erhöhte Atemarbeit aufgrund eingeengter Atemwege oder eines verkleinerten Lungengewebes. Im Rahmen der Bonner Studie hat Clemens gemeinsam mit Professor Dr. Eberhard Klaschik jetzt erstmals systematisch untersucht, wie die Symptome der Atemnot gelindert werden können. Das Ergebnis: Opioide – also Schmerzmittel, zu denen beispielsweise Morphine gehören – und angstlösende Medikamente helfen den Betroffenen am besten. “Unsere Untersuchungen ergaben, dass die Patienten durch eine den Beschwerden angepasste Opioid-Dosis ruhiger und tiefer atmen. Die zusätzliche Gabe von Sauerstoff, wie oft praktiziert, lindert die Luftnot jedoch nicht”, erklärt Clemens die wesentlichen Ergebnisse der Studie. “Dies ist ein neuer Ansatz, da Schmerzmittel eigentlich die Atmung hemmen. In der richtigen Dosis können sie aber durchaus die Atemtätigkeit positiv beeinflussen.” Die Opioide wirken, indem sie zum einen die Atemarbeit erniedrigen und die Atmung effektiver machen. Zum anderen reduzieren sie die emotionalen Reaktionen im Gehirn – wie Angst und Panik. “Unsere Studie hat gezeigt, dass Opioide auch zur Behandlung von Atemnot in der Palliativmedizin zugelassen werden sollten”, so Clemens. Interviewpartner auf Anfrage! Informationsmaterialien der Deutschen Krebshilfe Die Deutsche Krebshilfe gibt einen allgemeinverständlichen Ratgeber “Palliativmedizin” sowie ein Hörbuch “Leben Sie wohl – Geschichte der Palliativmedizin in Deutschland” heraus. Beides kann kostenlos bestellt werden bei: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn. Der blaue Ratgeber kann auch im Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.

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