23. September 2009

Neue Studie: Flohsamen wirksam beim Reizdarmsyndrom

Der Reizdarm – auch “nervöser Darm” oder “Reizkolon” genannt, ist eine sehr häufige Erkrankung. Experten schätzen, dass mindestens 15 Prozent der Bevölkerung darunter leiden. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Das Alter scheint bei dieser Erkrankung keine Rolle zu spielen. Die Beschwerden sind oft sehr unterschiedlich, so können Durchfall, Verstopfung oder Blähungen auftreten. Dazu haben die Patienten oft quälende Bauchschmerzen und Krämpfe im Unterbauch.

Reizdarmpatienten wird häufig empfohlen, mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Die Wirksamkeit der entsprechenden pflanzlichen Präparate war bisher jedoch nicht wissenschaftlich gesichert. Eine der wenigen Ausnahmen scheint Flohsamen (Pflanze Plantago ovata) zu sein, wie Forscher der Universität Utrecht jetzt in der Fachzeitschrift British Medical Journal berichten. *

In ihrer Studie haben die Niederländer nun herausgefunden, wie wirksam unlösliche Pflanzenfasern beim Reizdarmsyndrom wirklich sind und dass die im Flohsamen reichlich enthaltenen löslichen Pflanzenfasern die bessere Alternative sind. Als mutmaßlich wirkungslose Kontrolle erhielt ein Teil der Patienten Reismehl, in dem fast keine intakten Pflanzenfasern mehr enthalten sind. Untersucht wurden 275 Patienten mit Reizdarmsyndrom, die zwei Mal täglich jeweils entweder 10 Gramm Kleie, Reismehl oder Flohsamen (auch als Psyllium bekannt) zu sich nahmen.

Dramatische Besserung mit Flohsamen
Nach 12 Wochen hatten sich bei den Probanden die Beschwerden mit Flohsamen um 90 Prozent verringert, mit der Kleie um 58 Prozent und mit dem Reismehl immerhin noch um 49 Prozent. Angesichts dieser Zahlen muss allerdings auch bedacht werden, dass oftmals die für den Reizdarm typischen Beschwerden von selbst verschwinden, wenn Hektik, Stress und andere Belastungen nachlassen. Auch die 58 Prozent Verbesserung mit Kleie klingen zunächst beeindruckend, doch wurde dieser “Ballaststoff” seinem Namen in zweifacher Hinsicht gerecht: Viele Studienteilnehmer vertrugen die Kleie nicht und ihre Beschwerden verschlechterten sich sogar. Nur 56 Prozent der “Kleie-Esser” blieben bis zum Ende der dreimonatigen Versuchszeit dabei. Mit Reismehl waren es 60 Prozent und mit Flohsamen hielten 64 Prozent durch.

Lösliche Pflanzenfasern sind demnach beim Reizdarmsyndrom wirksamer als unlösliche. Zwar sind lösliche Pflanzenfasern auch in Obst wie zum Beispiel in Äpfeln und Erdbeeren sowie in Gerste und Hafer enthalten. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom mit diesen Nahrungsmitteln genug lösliche Pflanzenfasern aufnehmen, sagte einer der beteiligten Forscher, Dr. Niek de Wit. “Ich denke, am Anfang ist die beste Behandlung der Zusatz von Flohsamen zur Nahrung”.

Reizlinderung durch Schleimstoffe
Die Pflanzenteile entwickeln Schleimstoffe, die sich beruhigend auf die Magen-Darmwände legen und sogar entzündlichen Prozessen entgegenwirken können. So machen sie den Darminhalt gleitfähiger und haben daher sogar bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eine unterstützende Wirkung.

Durch die einzigartige Wirkungsweise von Flohsamenschalen (z. B. in Flosine® Balance, rezeptfrei Apotheke) können Reizdarmbeschwerden und die Verdauung dauerhaft wieder in Balance gebracht werden. Durch die besonders gute Verträglichkeit dieses Naturprodukts, können Flohsamen auch langfristig eingenommen werden.

Weitere kostenlose Informationen erhalten Sie beim Portal-Naturheilkunde unter der gebührenfreien Service-Nr 0800 / 77 44 321 oder unter * Quelle: Bijkerk CJ et al. Soluble or insoluble fibre in irritable bowel syndrome in primary care? Randomised placebo controled trial. BMJ 2009; 339:b3154 doi:10.1136/bmj.b3154

Nahrungsergänzung zu: , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel



22. Juni 2009

Neue Behandlungsmethode von Autoimmunkrankheiten

Bisher werden Autoimmunkrankheiten mit Medikamenten behandelt, die das gesamte Immunsystem blockieren und so den Körper extrem anfällig machen für Infektionen aller Art. Ein Konstanzer Forscherteam um den Immunologen Prof. Marcus Groettrup hat jetzt eine Behandlungsmethode entwickelt, die das Immunsystem nur in Teilen drosselt und somit deutlich besser verträglich ist.

Funktioniert das Immunsystem einwandfrei, zeigt es Viren die rote Karte und der Körper startet die Immunabwehr. Liegt eine Autoimmunkrankheit vor – zu den häufigsten gehören rheumatoide Arthritis, Typ-1 Diabetes mellitus, Multiple Sklerose und Morbus Crohn, eine entzündliche Dickdarmerkrankung – ist das Immunsystem gestört. Es wird hyperaktiv und greift körpereigene, gesunde Zellen an. Schwere Entzündungen sind die Folge. Menschen, die unter einer Autoimmunkrankheit leiden, müssen ein Leben lang so genannte Immunsupressiva einnehmen. Sie drosseln das Immunsystem, treten radikal auf die Bremse: „Gut gegen die Autoimmunkrankheiten, insgesamt häufig problematisch für den Patienten. Denn wenn unser Immunsystem komplett auf Sparflamme gefahren wird, dann kann es auch gegen andere Eindringlinge nicht mehr richtig wirksam sein“, so der Immunologe Prof. Marcus Groettrup.

Feinste Dosierung möglich
An der Universität Konstanz hat er gemeinsam mit seinem fünfköpfigen Team bahnbrechende neue Forschungserkenntnisse gewonnen, die der Schlüssel zu einer maßgeschneiderten Dämpfung des Immunsystems sind. „Das wäre nicht mehr das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Eine feinste Dosierung und damit wesentlich bessere Verträglichkeit für die Betroffenen wäre möglich“, erklärt Prof. Groettrup.

Doch wie genau funktioniert nun das verbesserte Wirkprinzip, von Prof. Groettrup? Die Hauptrolle dabei spielen das so genannte Immunproteasom sowie ein Wirkstoff, der eigentlich für die Behandlung von Leukämie entwickelt wurde: PR-957. Das Immunproteasom ist ein Enzymkomplex mit drei Untereinheiten, der zentral für die Immunabwehr ist. Bei einer Infektion fragmentiert es die bakteriellen und viralen Proteine, die eine Zelle befallen haben, und transportiert die Proteintrümmer an die Zelloberfläche. Dort wird die Zelle von den T-Lymphozyten, einer hoch spezialisierten Untergruppe der weißen Blutkörperchen, als infiziert erkannt und abgetötet. Groettrup und sein Team haben im Knock-out- Maus-Experiment getestet, was passiert, wenn man die Untereinheiten des Immunproteasoms ausschaltet, um Autoimmunprozesse zu stoppen. Die Ergebnisse waren erstaunlich. „Diese Mäuse haben zwar eine reduzierte Immunantwort. Aber insgesamt waren die Auswirkungen bei weitem nicht so drastisch, wie wir vermutet hatten“, erklärt Groettrup. Ganz verblüffend war aber, was mit den T-Lymphozyten passierte, die bei einer Autoimmunerkrankung außer Kontrolle geraten und die entzündlichen Reaktionen hervorrufen: Ohne die Immunproteasom- Untereinheiten verschwanden sie einfach. Ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Inhibition – also Blockierung – des Immunproteasoms entzündliche Reaktionen dämpfen kann.

Erfolgreiche Versuche am Mausmodell
Zu diesem Zeitpunkt kam eine ausgesprochen fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Proteolix aus San Franzisco zustande, das auf die Publikationen des Konstanzer Forscherteams zur Funktion des Immunproteasoms aufmerksam wurde. Proteolix hat den Inhibitor PR-957 entwickelt, der eine der drei Immunproteasom-Untereinheiten ausschaltet und eigentlich für die Behandlung von Leukämie entwickelt wurde.

Im Rahmen der Kooperation Konstanz – Franzisco wurde PR-957 versuchsweise zur Behandlung von Mäusen mit rheumatoider Arthritis eingesetzt. Das vielversprechende Ergebnis: kein Fortschreiten der Krankheit, aber ein Immunsystem, das sich erstaunlich gut gegen andere Viren, mit denen die Tiere infiziert wurden, zur Wehr setzt. Zudem zeigten die Tiere keine erkennbaren Nebenwirkungen. Die Wissenschaftler ließen nicht locker. Sie testeten die Wirkstoffe im Mausmodell auch gegen Typ-1 Diabetes mellitus. Wieder ein wissenschaftlicher Volltreffer. Die Mäuse erkrankten nicht mehr an der Zuckerkrankheit. Was passiert im Tierkörper? „Die T-Lymphozyten, die bei dieser Erkrankung die Zellen in der Bauchspeicheldrüse schädigen, die das lebenswichtige Insulin produzieren, werden in Schach gehalten“, erklärt Groettrup, dessen Team bereits die nächsten Tests im Bezug auf weitere Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose und Morbus Crohn plant. „Gerade hier können wir eine Menge für die Patienten erreichen, wenn es uns gelingt, diese chronischen Krankheiten gleich zu Beginn zu dämpfen und neue Schübe zu verhindern.“

Eine wirksame und gut verträgliche Therapie
Groettrup weiß: Sein Team ist auf dem richtigen Weg. Fünf Jahre Forschungsarbeit haben sich gelohnt. Sie ebnet den Weg zu einer gut verträglichen und wirksamen autoimmunen Therapie, die gezielt die entzündungsfördernden Mechanismen absenkt, ohne das gesamte System lahmzulegen. Das präklinische Modell steht und wird jetzt in der renommierten Zeitschrift Nature Medicine, dem meistzitierten biomedizinischen Fachorgan und Türöffner zu Pharmaunternehmen und Investoren, publiziert. Die Vorbereitungen zur Erprobung am Menschen laufen. „Wenn die Wirksamkeit von PR-957 beim Menschen so gut ist wie in den getesteten klinischen Modellen und auch die Nebenwirkungen so gering sind wie bei Mäusen, wäre das eine Revolution für den Behandlungserfolg“, ist Prof. Groettrup sicher.

Kontakt:
Prof. Dr. Marcus Groettrup
Universität Konstanz
Lehrstuhl für Immunologie
Universitätsstrasse 10
78457 Konstanz
Tel.: 0049 7531 882130
E-Mail: Marcus.Groettru…

Nahrungsergänzung zu: , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel


26. April 2009

Neue Hoffnung bei chronischen Darmentzündungen

Immer mehr Menschen in den Industriestaaten leiden unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Effizient therapieren kann man diese Leiden bisher nicht, doch immerhin weiß man seit einigen Jahren, dass der Verzehr von Probiotika die chronischen Entzündungsprozesse im Darm hemmen kann. Ernährungsforscher der TU München haben jetzt herausgefunden, warum: Sie haben den molekularen Wirkmechanismus einer probiotischen Mischung geknackt, die bereits in der Therapie verwendet wird – was in Zukunft die Behandlung dieser Darmkrankheiten verbessern könnte.

Über 3,5 Millionen Europäer und US-Amerikaner leiden an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), also an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. CED sind die Folge einer Überreaktion des Immunsystems auf Bakterien der normalen Darmflora und zählen wie Allergien und Autoimmunerkrankungen zu den typischen Wohlstandskrankheiten industrialisierter Länder. Bis heute können CED- Patienten nur symptomatisch behandelt werden. Klinische Studien der letzten Jahre zeigten, dass der Verzehr probiotischer Mikroorganismen wie E. Coli Nissle oder der Probiotika-Mischung VSL#3 zu einer wesentlichen Verbesserung der chronischen Entzündungsprozesse im Darm führt. Warum, das war bisher trotz weltweiter Forschung weitgehend unbekannt.

Ein interdisziplinäres Forscherteam der Technischen Universität München (TUM) hat zusammen mit Kollegen des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung, des Helmholtz-Zentrums und der schottischen Aberdeen University jetzt Licht ins Dunkel gebracht: Die Wissenschaftler haben den molekularen Wirkmechanismus eines in VSL#3 enthaltenen Bakterienstammes, Lactobacillus casei (kurz: L. Casei) entschlüsselt. Dieser Bakterienstamm ist in verwandter Form auch den meisten handelsüblichen Probiotika-Joghurts oder -Drinks als Wirkstoff zugesetzt.

Um hinter das Geheimnis von L. Casei zu kommen, musste Prof. Dirk Haller vom Lehrstuhl für Biofunktionalität der Lebensmittel ganz genau hinsehen: Zusammen mit seinem Team am Wissenschaftszentrum Weihenstephan hat er in Zellkulturexperimenten mit Darmepithelzellen die Entzündungssituation bei CED simuliert und die molekularen Effekte von L. Casei unter diesen Bedingungen analysiert. Außerdem wurden in experimentellen Studien mit Tiermodellen für chronisch entzündliche Darmerkrankungen die positiven Effekte von VSL#3 auf den Schweregrad der Entzündung sowie auf molekulare Entzündungsmarker in den Epithelzellen untersucht.

Dabei zeigte sich, dass der Bakterienstamm L. Casei die Bildung des so genannten „IP-10“ in den Epithelzellen der Darmschleimhaut hemmt.
Dieses entzündungsverursachende Signalprotein sorgt bei CED-Kranken für eine übermäßige Rekrutierung von Immunzellen, die die chronische Darmentzündung fördern und am Laufen halten. L. Casei hemmt den Krankheitsverlauf bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa also an der Wurzel: Es hat durch die IP-10-Hemmung einen anti-entzündlichen Effekt.

„Auf der Grundlage dieser spezifischen Wirkmechanismen eines probiotischen Bakteriums sind wir jetzt in der Lage, die schützenden Komponenten von L. Casei zu identifizieren und zu charakterisieren, so Prof. Haller. Damit haben die TUM-Forscher einen konkreten Ansatzpunkt, um die Suche nach bisher unbekannten, potentiell wirksamen Probiotika im Kontext chronisch entzündlicher Darmerkrankungen voranzutreiben. Haller ist optimistisch: „Dem Ziel einer möglichst effektiven und risikofreien Behandlungsmöglichkeit bei CED ist man durch diese Entdeckung einen Schritt näher gekommen.“

Kontakt:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Biofunktionalität der Lebensmittel Prof. Dr. Dirk Haller
85350 Freising-Weihenstephan
E-Mail: haller@wzw.tum….

www.wzw.tum.de/…

Telefon: 08161 / 71-2026

Nahrungsergänzung zu: , , , ,

Verwandte Artikel