26. Juni 2009

Johanniskraut und Pille – wirklich ein Problem?

Rund 6,6 Millionen deutsche Frauen nehmen die Anti-Baby-Pille, viele von ihnen eines der besonders niedrig dosierten Präparate. Wenn diese Frauen die erschreckend lange Packungsbeilage wie empfohlen lesen, stoßen sie auf folgenden Satz: „Pflanzliche Präparate, die Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten, sollten bei Anwendung des Kontrazeptivums nicht verwendet werden“. Geht durch das bewährte pflanzliche Antidepressivum die Schutzwirkung der Pille wirklich verloren? Dieser Frage sind in letzter Zeit mehrere Forschungsgruppen nachgegangen. Das Ergebnis vorweg: Ein Versagen der Pille fand sich in keiner der Studien.

Johanniskraut gehört zu den am besten erforschten Heilpflanzen. Seine Extrakte haben sich in vielen Studien als sichere und effektive Antidepressiva erwiesen. Durch diese Forschung sind allerdings auch einige Wechselwirkungen entdeckt worden. So erhöhen Johanniskrautextrakte z.B. die Aktivität des Leberenzyms Zytochrom P450, was die Ausscheidung bestimmter Medikamente beschleunigen kann. Wie es sich auf hormonelle Kontrazeptiva auswirkt, haben gleich mehrere Studien geprüft.

In einer Studie von Prof. Dr. Stephen D. Hall (Indianapolis) im Auftrag der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zeigte sich zwar bei gleichzeitiger Einnahme von Johanniskraut und einer niedrig dosierten Antibaby-Pille eine höhere Rate an Zwischenblutungen. Der Hormonspiegel wurde jedoch nicht beeinflusst, es fand daher auch keine Beeinträchtigung der Schwangerschaft verhütenden Wirkung statt. (Hall et al., Clin Pharmacol Ther 2003).

Dr. Arabella Pfundner und ihre Kollegen vom Universitätsspital Basel untersuchten bei 18 gesunden Frauen die gleichzeitige Einnahme des Johanniskraut-Extrakts LI160 und eines Kontrazeptivums mit 0,02 mg Ethinyloestradiol und 0,150 mg Desogestrel. Auch sie registrierten eine erhöhte Zahl von Zwischenblutungen, die Hormonspiegel blieben jedoch auch hier unverändert. Im Ultraschall konnte bei keiner der Probandinnen ein Eisprung festgestellt werden (Pfrundner A. et al, B .J Clin Pharmacol 2003).

Die Berliner Arbeitsgruppe von Dr. Liane Will-Shahab überprüfte den Einfluss des Johanniskraut-Extrakts Ze117 auf den Abbau der Hormone eines niedrig dosierten Pillenpräparats bei 16 Frauen. Sie fand eine geringfügige Abnahme der Bioverfügbarkeit der im Pillenpräparat enthaltenen Hormone. Sie war jedoch so gering, dass sich an der hormonellen Wirksamkeit nichts änderte. Die Serumspiegel der Sexualhormone LH, SSH und SHBG zeigten, dass die Verhütungssicherheit zu jedem Zeitpunkt gegeben war. Zwischenblutungen, wie sie in den anderen Studien aufgetreten waren, wurden in dieser Studie nicht registriert (Will-Shahab L. et al. Eur. J. Clin. Pharmacol. 2009).

Weitere Informationen zu Phytotherapie finden Sie unter www.phytotherapie-komitee.de

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17. Mai 2009

So alt wie man sich fühlt – Senioren fühlen sich 13 Jahre jünger als es ihrem Lebensalter entspricht

Menschen über 70 Jahre fühlen sich durchschnittlich 13 Jahre jünger als es ihren Lebensjahren entspricht. Zu diesem Ergebnis kommt eine jüngst im Journal of Gerontology: Psychological Sciences veröffentlichte Studie, die von Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Michigan durchgeführt wurde.
Die Studie untersucht Veränderungen der Selbstwahrnehmung des Alters und der Alterszufriedenheit über die Zeit an Daten der Berliner Altersstudie.

Während sich das Gefühl, 13 Jahre jünger zu sein, im Laufe der Studie nicht veränderte, nahm die Differenz zwischen Lebensalter und im Spiegel wahrgenommenen Alter sowie der Grad der Zufriedenheit der Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer im Laufe des sechsjährigen Beobachtungszeitraums ab.

Gefühl, 13 Jahre jünger zu sein, hält an
Dass sich ältere Menschen in der Regel jünger fühlen, als es ihrem Lebensalter entspricht, konnte bereits in mehreren Studien aufgezeigt werden. Aber verändert sich die Alterseinschätzung im Laufe der Zeit? Und welche Faktoren können das gefühlte Alter beeinflussen? Zur Beantwortung dieser Fragen untersuchten die Psychologinnen sechs Jahre lang 516 Berliner Frauen und Männer im Alter von 70 bis 104 Jahren, die an der Berliner Altersstudie teilnahmen.
„Die Teilnehmer unserer Studie fühlten sich durchschnittlich 13 Jahre jünger als es ihrem Lebensalter entspricht. Das Überraschende für uns war, dass sich an dieser Einschätzung im Laufe des sechsjährigen Beobachtungszeitraums so gut wie nichts änderte“, erläutert Anna Kleinspehn-Ammerlahn, die die Studie zusammen mit Dana Kotter-Grühn, beide am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, und Jacqui Smith, Universität Michigan, durchführte. Die nähere Untersuchung zeigte allerdings Unterschiede zwischen Personen unterschiedlichen Alters: So wurde beobachtet, dass ältere Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer über die Zeit sogar ein vergleichsweise noch jüngeres gefühltes Alter berichteten als die Jüngeren. Die Veränderung des gefühlten Alters war aber nicht nur vom Lebensalter, sondern außerdem vom Gesundheitsstatus der Seniorinnen und Senioren abhängig.

Einschätzung des physischen Alters und der Alterszufriedenheit verändert sich über die Zeit
Die Psychologinnen wollten außerdem von den Studienteilnehmern wissen, wie alt sie sich fühlen, wenn Sie sich im Spiegel betrachten. Fühlten sich die Teilnehmer zu Beginn der Studie beim Blick in den Spiegel noch 10 Jahre jünger, lag die Differenz zum Lebensalter am Ende der Studie nur noch bei 7 Jahren. Allerdings konnte hier ein deutlicher Geschlechterunterschied beobachtet werden: Frauen fühlten sich im Vergleich vier Jahre älter als die männlichen Studienteilnehmer.
Geschlechtsabhängige Unterschiede wurden auch hinsichtlich der Zufriedenheit im Alter beobachtet. So gaben die männlichen Teilnehmer zu Beginn der Studie eine höhere Zufriedenheit mit ihrem Alter an als die weiblichen Studienteilnehmerinnen. Allerdings zeigten die Männer im Laufe des sechsjährigen Beobachtungszeitraums eine stärkere Abnahme der Zufriedenheit als die Frauen. Ein geringerer Grad der Zufriedenheit hing jedoch nicht nur mit dem Geschlecht, sondern auch mit dem Alter, dem Gesundheitszustand und der sozialen Schicht zusammen.

„Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einschätzung, jünger zu sein und jünger auszusehen als es dem tatsächlichen Lebensalter entspricht, und der Lebenszufriedenheit im Alter“, erläutert Kleinspehn-Ammerlahn. „Wir haben erste Hinweise darauf, dass die Selbsteinschätzung des Alters mit der verbleibenden Lebenserwartung zusammenhängt. Interessant ist auch die Frage, ob Menschen, die sich jünger fühlen, auch „jünger handeln“ und jünger wahrgenommen werden. Diesen Zusammenhängen muss in weiteren Untersuchungen nachgegangen werden.“

Quelle:
Anna Kleinspehn-Ammerlahn, Dana Kotter-Grühn, Jacqui Smith, Journal of Gerontology: Psychological Sciences: 377-385, Vol. 63B, No. 6 (2008).

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08. Mai 2009

Neues Medikament gegen Alzheimer entwickelt

Wissenschaftler des University College London www.ucl.ac.uk haben ein neues, vielversprechendes Medikament gegen Alzheimer entwickelt. CPHPC entfernt ein Protein, von dem angenommen wird, dass es bei Alzheimer eine entscheidende Rolle spielt, aus dem Blut. Tests ergaben, dass das Protein auch aus den Gehirnen von fünf Alzheimer-Patienten verschwand, die das Medikament drei Monate lang einnahmen. Größere angelegte und länger dauernde Studien befinden sich derzeit in Planung. Details der Studie wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Das Protein Serum-Amyloid P (SAP) kommt immer in den Plaquen und den Tangles der Nervenfasern der Gehirne von Betroffenen vor. Es wird angenommen, dass es gesunde Zellen schädigt. Es scheint in beiden Fällen zu verhindern, dass diese Strukturen in die Brüche gehen. Zusätzlich wurde zumindest in Laborexperimenten nachgewiesen, dass es die Bildung des Amyloid-Proteins fördert, das seinerseits die schädigenden Plaquen entstehen lässt. Es gibt auch Hinweise darauf, dass SAP selbst die Gehirnzellen direkt schädigen kann.

Zwei der großen potenziellen Vorteile von CPHPC sind, dass es – einmal im Körper – nicht abgebaut wird und dass es über eine sehr spezifische Funktion verfügt. Dabei kommt es zu keiner Interaktion mit den Zellen. Damit soll das Risiko von Nebenwirkungen verringert werden. Die Wissenschaftler erwarteten einen Abbau von SAP im Blut der fünf Patienten. Die direkten Auswirkungen auf das Gehirn übertrafen jedoch ihre Erwartungen.

Mit Hilfe von Labortests gelang es dem Team um Mark Pepys, den molekularen Prozess zu entschlüsseln, auf dem die Wirksamkeit des Medikament beruht und zu zeigen, wie sich SAP bei Alzheimer in den Gehirnen ansammelt. Nebenwirkungen bei den Patienten konnten nicht festgestellt werden. CPHPC wurde laut BBC bereits Patienten mit anderen Krankheiten verabreicht, die ebenfalls keine Nebenwirkungen hatten. Obwohl drei Monate zu kurz waren, um klinische Vorteile nachzuweisen, kam es zu keiner offensichtlichen Verschlechterung.

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